Presse

Neue Presse, 24.5.2005
Große Klänge in ganz besonderer Besetzung
Matröpa-Trio in Schloss Callenberg
von Dr. Peter Müller

Die kleine stimmungsvolle Kapelle auf Schloss Callenberg erlebte vor großem Publikum ein besonderes Klangereignis eines kleinen, ungewöhnlichen und exquisiten Ensembles. Das "Matröpa-Trio" aus München umgibt das Piano mit Violine und Horn, doch den Namen - aus verschiedenen Vornamen fantasievoll zusammengesetzt - möchte die Pianistin als Gründerin des Trios, Sylvia Hewig-Tröscher, lieber im Dunkeln lassen. Der harmonische Zusammenklang der drei Instrumente, lässt nicht ahnen, dass die solistischen wie orchestralen Verpflichtungen des Trios sie nur gelegentlich zusammenführen. Sylvia Hewig-Tröscher, die unter anderem bei Klaus Schilde und Wilhelm Kempff in München studierte, heute Dozentin am selben Münchner Konservatorium ist und neben ihrer Tätigkeit als Solistin im In- und Ausland auch im "Trio Orfeo" spielt, zeigte schon zum Eingang des Konzertes mit der "Sonate für Klavier und Violine B-Dur, KV 378" von Wolfgang Amadeus Mozart ihre wohltemperierte und romantische Ausdruckskraft. Die den Klavierpart verzierende und im Dialog virtuos aufblühende Violine spielte Martin Man, Schüler von Rudolf Koeckert in Augsburg, Mitglied des Nymphenburger Streichquartetts und Konzertmeister der Münchener Philharmoniker mit Bravour. Für die beiden Hauptwerke des vollkommenen Trios wurde Franz Draxinger mit seinem exakt und fein bis gewaltigen Horn zum Eingang geschont. Der wie seine Kollegen vielfach preisgekrönte Solo-Hornist des Münchner Rundfunkorchesters - und demnächst des Rundfunksinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks - ergänzte den gewohnten Klangkörper von Violine und Piano um eine ganz besondere Note. Der weiche, warme Ton verlieh den folgenden romantischen Werken einen naturseligen Glanz und mächtige leidenschaftliche Expressionen. Zunächst spielte das Trio von Heinrich Kaspar Schmid (1874-1953) - wie Draxinger sagte, dem wohl letzten neo-neuromantischen Komponisten - dessen "Trio für Violine, Horn und Klavier op. 110". Stimmungsbilder und Tongemälde von "moderaten" (1. Satz: Mäßig) Klängen, die sich lyrisch episch ausbreiten und zu einer rhythmischen, temporeichen Märchenerzählung verdichten, über "traumhafte" (2. Satz: Tranquillo) sanfte Harmoniewechsel bis zu einem virtuosen "Finale: Allegro vivo", filmmusikreif, üppig und in chromatischen Kontrasten bis zu opernhaftem sinfonischen Triumph in orchestralen Klang vereint. Tiefste gefühlte Romantik zwischen lyrischer Melodik, verhaltener Ruhe und aufbegehrender Leidenschaft kam mit dem "Trio Es-Dur op. 40 für Klavier, Violine und Horn" von Johannes Brahms solistisch wie in selten harmonischem Einklang der drei so verschiedenen Instrumente zu vollen Entfaltung. Jeder der vier Sätze ein kleines Konzertstück für sich, insgesamt ein spannungsgeladener Ausdruck großer Gefühle. Der riesige Beifall mit Händen und Füßen ließ die Kapelle erzittern und die Künstler zur Wiederholung des Brahmsschen Finalsatz bewegen.

 
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